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Auf Reisen #1 - Mecklenburg -> Berlin - Schlafen auf Bomben

 

Hey lieber Reisefreund, heute wollen wir dich mit auf unsere spontane Reise an die Mecklenburgische Seenplatte und nach Berlin nehmen. 

 

Unser Berlin- Wochenende beginnt nach ca. 2,5 stündiger Autofahrt an der wunderschönen Mecklenburgischen Seenplatte, genauer am Müritzer See.

Das Wetter ist schön, die Sonne scheint, nur ein leichter Wind weht uns um die Ohren. Wir peilen den Müritzer See an, da uns die Bilder im Internet bereits umgehauen haben. Nachdem wir nun schon einige Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Stellplatz direkt am Wasser sind, aber irgendwie nicht so ganz fündig werden, entscheiden wir spontan die erste Nacht an einem Campingplatz zu verbringen, den wir zufällig entdecken.

 

Der Campingplatz ist ganz schlicht, sticht mit seiner Lage aber total raus, da die meisten Stellplätze sich direkt am Ufer befinden. Wir haben noch Glück: die Rezeptionistin wollte gerade schon nach Hause gehen, als wir sie abfangen. Sie ist zwar sehr nett zu uns, haut uns aber leider übers Ohr, was wir erst bemerken, als wir den Preis für eine Nacht selbst berechnen. Statt „Auto + 2 Personen“ zockt man uns frech „Auto + Zelt + 2 Personen“ ab. Als Wiedergutmachung zählen wir dafür aber unseren Stellplatz, da wir Freeda wirklich einen Meter vom Ufer des Sees platzieren können und somit nonstop die Wellen rauschen hören können.

 

Innerhalb von 15 Minuten sind wir auch schon startklar für unseren Kurzurlaub und sitzen gemütlich in unseren Campingstühlen vor Freeda und genießen die Sonnenstrahlen im Gesicht. Plötzlich regnet es wie aus Eimern auf uns herab und die Windgeschwindigkeit erhöht sich auf gefühlte 500km/h. Das heißt für uns: Schnell reagieren, alles zusammen packen und Schutz im Inneren von Freeda finden!Wir machen es uns im Auto gemütlich, kuscheln uns in unsere Decken ein und beginnen die ersten Zeilen unserer Bücher zu lesen. Wie sollte es anders sein, hört es natürlich genau dann  auf zu regnen und die Sonne kommt wieder in vollen Zügen raus! April, April, er macht, was er will… dabei haben wir Juni! Trotzdem freuen wir uns sehr, denn wir können sofort wieder nach draußen umziehen.

 

Dieses wechselhafte Wetter sorgt allerdings für durchgängig heftigen Wellengang auf dem Müritzer See und Freunde, das können wir euch versichern: Wir haben schon lange nicht mehr so entspannt und gut geschlafen, wie in unserer Zeit an diesem Ort! Mit geschlossenen Augen hat man das Gefühl sich direkt am Meer zu befinden. Auch die einzigen anderen Geräusche, nämlich die Vögel und anderen Tiere, unterstützen dieses Gefühl und wir vergessen vollkommen, dass wir uns auf einem Camping Platz befinden. Wir bemerken mal wieder, wie sehr wir es genießen stark mit der Natur verbunden zu sein und wie entspannt wir leben, wenn wir uns von der „realen“ Welt distanzieren.

 

Bei unserem abendlichen Spaziergang um den Camping Platz entdecken wir noch eine Überraschung: Ein bereits älteres Ehepaar, quasi mit ca. 50m Entfernung unsere Nachbarn, rennt plötzlich splitterfasernackt aus ihrem Wohnmobil an uns vorbei und stürzt sich mit großem Satz in die Wellen. Unser erster Gedanke war, dass die Zwei bloß ein bisschen Spaß haben wollen und die tolle Lage ihres Stellplatzes einfach nutzen wollen. Dann entdecken wir jedoch ein Schild, ganz unscheinbar neben dem Toilettenhäuschen: „FKK-Camping! Aus hygienetechnischen Gründen bitte nur bekleidet abwaschen“, mit dem Verweis auf den Spülbereich.
Da an diesem regnerischen Wochenende der Campingplatz fast leer ist, bleibt dieses Paar das Einzige, welches sich vor uns entblößt.

 

Zurück an unserem Platz angekommen, lassen wir den Abend gemütlich am Lagerfeuer und dick eingepackt, da der Wind noch immer pfeift, ausklingen. Wie eben bereits erwähnt, verbringen wir dann die entspannteste Nacht seit Langem, da wir mit dem Wellenrauschen sowohl einschlafen, als auch aufwachen.

 

Tag 2 beginnt recht früh, da uns bis dato noch die Vorhänge für Freeda fehlen und die Sonne im Hochsommer schon um 5 Uhr morgens oben steht. Aber selbst das stört uns an diesem Wochenende nicht und wir starten ausgeschlafen und, durch ein dickes Frühstück mit Spiegelei & Co, in den neuen Tag.

  

Dieser Trip sollte unser erster „Wild- Camping“- Ausflug werden. Auch wenn unser Stellplatz wunderschön ist, beschließen wir unser Vorhaben nun doch noch umzusetzen und weiter zu ziehen. Da ein bisschen Kultur auch nicht fehlen darf, ist unser erster Stopp das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen. Das Wetter ist heute überraschend gut und konstant, sodass wir auf unserer Tour durch die Geschichte sogar ins Schwitzen kommen.

 

 

Anschließend machen wir uns wieder auf die Suche nach einem geeigneten Stellplatz. Nach ein wenig Rumgegurke innerhalb Oranienburgs treffen wir auf zwei Jungs, die an einem abgelegenen Grünstreifen (am Malzer Kanal) ihr Zelt aufgeschlagen haben und dort angeln. Dieser Grünstreifen ist ca. 500 m lang, endet an einem Zaun, hinter dem sich eine große Weide befindet und der Weg dahin ist schmal und total bewachsen. Genau dieses Ende an der Weide nutzen wir, um uns dort niederzulassen.
Für uns ist das der perfekte Stellplatz: versteckt, menschenleer und direkt am Wasser, was bei uns immer sofort Urlaubsstimmung auslöst.

 

Innerhalb weniger Minuten bereiten wir wieder alles zum Kampieren vor, breiten unseren Tisch aus und freuen uns auf unser Mittagessen: Gaskocher raus, lecker Gemüsepfanne zubereitet und jetzt noch ein leckeres, kaltes Getränk! Aber daraus wird erstmal nichts. Wir haben nur noch plattes Wasser an Board und packen schnell wieder zusammen und suchen die nächste Tankstelle im Navi. Mit dem mulmigen Gefühl unseren perfekten Stellplatz für die Nacht an jemand anderen zu verlieren, machen wir uns auf den Weg durch den engen Weg zurück auf die Hauptstraße und natürlich kommt uns da bereits ein Auto entgegen. 

Nachdem wir die Tankstelle gefunden und alles nötige geholt haben, kommen wir wieder am Ende der Schotterpiste an, wo wir an unserem alten Stellplatz den blauen Kombi von eben wieder treffen. Total genervt darüber, dass wir den Platz überhaupt verlassen haben, beschließen wir uns einfach dahinter zu stellen und hoffen, dass die neuen Nachbarn nicht all zu lange bleiben wollen und wir eine ruhige Nacht verbringen können. 

 

Nach einem misstrauischen „Hallo“ von beiden Seiten, beginnen wir uns langsam wieder für die Übernachtung vorzubereiten und unsere Nachbarn holen ihre Angelrouten aus dem Auto.

 

„Ey, wat macht’n ihr hier?“ fragt einer der beiden uns auf einmal und wir schmunzeln über den sympathischen Berliner Akzent. Daraufhin erklären wir unser „Projekt- Freeda“. Am Anfang wirken die Zwei noch sehr skeptisch bis sie uns immer mehr Fragen dazu stellen und wir bemerken, wie begeistert sie von unserer Idee sind. Plötzlich ist es dunkel um uns herum, was uns nicht auffiel, da wir total im Gespräch versunken sind. Es harmoniert also sehr gut bei uns Vieren und wir erfahren endlich, warum zu Beginn so ein Misstrauen herrschte:
Die Jungs sind Wild-Angler und hielten uns für Zivil- Kontrolleure. Der Gedanke, dass die Polizei mit einem kleinen Corsa mit süßen Gardinchen in den Fenstern auf Streife ist, bringt uns alle zum Lachen und wir verbringen noch einige Zeit zusammen am selbst gemachten Lagerfeuer á la „Bush-Crafting“

 

Das Ergebnis dieses Abends ist, dass die Jungs von ca. 4 Stunden gerade mal 10 Minuten geangelt haben und auch wir es nicht schaffen einen neuen Blogpost für euch zu erstellen. Stattdessen hatten wir eine Menge Spaß und haben neue Freunde gefunden. Die Moral, die wir uns daraus ziehen, ist, dass nicht immer alles nach Plan läuft und man echt großes Erleben kann, wenn man offen genug ist und einfach locker mit anderen Menschen spricht und sich austauscht.

 

Mit Blick auf die Uhr verabschieden sich die Angler- Jungs dann bei uns, da ihre Frauen zu Hause auf sie warten. Währenddessen zieht ein mittelstarker Sturm auf und sorgt dafür, dass uns bereits kleine Äste um die Ohren fliegen. Der Grünstreifen, auf dem wir uns befinden, ist sehr bewachsen mit Bäumen und Sträuchern und es war bereits bei Sonnenschein ein Abenteuer bis zum Ende durchzufahren. Jetzt befürchten wir, dass uns entweder nachts ein Baum auf Freeda kracht oder wir morgens nicht mehr vom Grünstreifen runter kommen, weil der Weg vom herunterfallenden Gestrüpp versperrt sein könnte.
Kurzer Hand beschließen wir unser Feuer zu löschen und auf dem gegenüberliegenden Parkplatz auf der anderen Uferseite, die sich an der Hauptstraße befindet, zu übernachten.

 

Wusstest du schon, dass man in Brandenburg die höchste Strahlung Deutschlands findet? Das liegt vermutlich daran, dass man diese Region früher total zerbombt hat und zum Testen von Atomwaffen verwendete. Aus diesem Grund befinden sich auch heute noch unzählige, nie gefundene Bomben unter der Erde.

 

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, geht es Nadine leider nicht so gut. Vermutlich hat sie am Vorabend etwas Falsches gegessen. Draußen ist es kalt und es regnet noch immer. Gerade für Nadine also nicht die besten Voraussetzungen, um sich wohl zu fühlen. Deshalb entscheiden wir weiter nach Berlin zu fahren, um erstmal Unterschlupf in einem Café zu finden. Nach circa einer Stunde Fahrt finden wir einen gemütlichen Bäcker und genießen dort erstmal die Wärme und den leckeren Tee zum ausgiebigen Frühstück. So langsam beruhigt sich auch Nadines Magen wieder und wir überlegen, was unser nächster Programmpunkt sein könnte.
Genau in dem Moment meldet sich unser Freund Florian, der in Berlin wohnt und den wir sowieso besuchen wollten. Er lädt uns zu sich nach Hause ein, damit wir erstmal den Regen überstehen. Geplant war ein Besuch von ein bis zwei Stunden. Naja, im Endeffekt waren wir bis Sonntagmorgen zusammen unterwegs.

 

Wie das eben so ist, wenn man sich selten sieht, verquatschen wir uns total, gehen eine große Runde gemeinsam durch die Hauptstadt und erkunden einige beeindruckende Orte.
Die folgenden Stellen wollen wir euch besonders ans Herz legen:

 

 

 

RAW-Gelände

 

Nicht nur für Club-Gänger, sondern auch für Liebhaber der Straßenkunst ist dieser Ort etwas ganz Besonderes. Hier gibt es neben einer Menge Party, auch Flohmärkte, eine Schwimm- Skatehalle und eine Kletterwand. Bei jedem Besuch gibt es etwas Neues zu entdecken und das macht diesen Ort so besonders. 

 

-> Revaler Straße 99 in Friedrichshain 

 

 

 

Teufelsberg

 

Früher war es  noch eine amerikanische Abhöranlage, heute ist es die größte europäische Streetart Galerie, die mit ihrem atemberaubendem Blick über die Stadt zum Staunen und Spazieren gehen einlädt. Im angrenzenden Grunewald findest du noch zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. 

 

-> https://teufelsberg-berlin.de

 

 

 

 

Holzmarkt

 

Ein Treffpunkt für Kreative, Musikliebhaber und Freunde des urbanen Leben. Neben dem „Kater Blau“ findet man hier viele Musikstudios, Ateliers, ein Café, ein Restaurant und vor allem viel Raum für Kreativität, Gelassenheit und einen schönen Blick auf die Spree. Komm hier unbedingt vorbei! 

 

-> https://www.holzmarkt.com 

 

 

Monkeybar

 

Im 10. Stock des Bikini Berlins, kann man direkt am Kurfürstendamm eine einzigartige Sicht über Berlin genießen. Der Eintritt ist frei und wenn es auf dem Klo mal länger dauert, kannst du die Tiere im Zoo beobachten. 

 

-> https://www.monkeybarberlin.de 

Unser Tag endet mit einer grandiosen Party im Sisyphos, einem der legendärsten Clubs der Stadt. Kaiserdisco, ein DJ-Duo aus Hamburg, für die Rikkert arbeitet und zu denen mittlerweile auch eine Art Freundschaft entstanden ist, legen nämlich dort auf. Nach der wilden Partynacht fahren wir wieder zu Florian, legen uns für wenige Stunden aufs Ohr und treten dann auch schon wieder die Heimreise an.

 

Unser Fazit von diesem Wochenende: Wir machen genau das Richtige, denn das Reisen mit Freeda bietet uns die Freiheit, die wir suchen und so konnten wir drei Tagen auch unkompliziert an drei verschiedenen Orten verbringen. Es ist ein tolles Gefühl, dass unser selbst ausgedachtes und auch selbst gebautes Konzept so super funktioniert und wir entwickeln uns stetig weiter. Klar haben wir noch Verbesserungspotential entdeckt, welches wir nun ausbessern wollen. 

Wir hoffen du hattest Spaß beim Lesen von diesem Bericht und dass du uns in Zukunft noch weiter begleiten möchtest!

 

 

Beste Grüße und bis bald,

 

Nadine & Rikkert  

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